Lesen soll vor allem eines: Spaß machen!
Wie verändern sich die Leseinteressen von Kindern und Jugendlichen? Welche Bücher sind gefragt – und wie schaffen wir immer wieder Lust auf Geschichten? Darüber haben wir mit Kristina Geilhaupt aus der Buchhandlung Bittner gesprochen, die zum ersten Mal in der Jury für den diesjährigen Kölner Kinder- und Jugendbuchtags dabei war. Klar wird: In der Kölner Kinder- und Jugendbuchszene ist irre viel los. Und Leseförderung ist wichtiger denn je.
Mit Lesungen, Theater, Live-Comic-Zeichnen und Workshops zeigen wir am 6. September im Filmhaus Köln, wie vielfältig Geschichten sein können und wollen Neugier wecken.
Du warst in diesem Jahr zum ersten Mal Teil der Jury, die die Programmpunkte für den Kölner Kinder- und Jugendbuchtag auswählt. Auch dieses Jahr gab es erfreulicherweise deutlich mehr Einreichungen als Programmplätze für die vier Bühnen am 6. September im Filmhaus. Wie habt ihr die richtige Mischung für das Programm gefunden?
Die hohe Anzahl an Einreichungen hat uns sehr gefreut. Und uns darüber hinaus noch einmal aufgezeigt, wie bunt und vielfältig die Kölner Kinder- und Jugendbuchszene ist, und damit sind Autor*innen, Illustrator*innen sowie alle kreativen Vermittler*innen gemeint. Wir als Jury haben natürlich diskutiert, uns jedoch auch recht schnell geeinigt. Wir haben insbesondere versucht, neben beliebten und bekannten Themen auch neue Ideen und Zugänge mit aufzunehmen. Ich finde, es ist ein spannendes, abwechslungsreiches Programm geworden bei dem hoffentlich für alle etwas dabei ist.
Als Buchhändlerin unterstützt du täglich Eltern und auch Kinder und Jugendliche bei der Auswahl der Bücher. Haben sich die Interessen in den letzten Jahren verändert?
Unser aller Freizeitverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Kinder und Jugendliche, wir alle, verbringen deutlich mehr Zeit vor dem Bildschirm. Zugleich bekommen wir durch Studien und auch den Austausch mit Schulen vor Ort gespiegelt, dass sich die Lesekompetenz, das Leseverständnis und die Konzentrationsfähigkeit immer weiter verschlechtert haben. Vor einigen Wochen war groß in den Nachrichten, dass jedes vierte Kind nach Beendigung der Grundschule nicht sinnerfassend lesen kann. Jedes vierte Kind. Hinzu kamen fast zeitgleich Meldungen, die Kürzungen bei der Leseförderung bekanntgaben. Das ist höchst alarmierend und es besteht dringender Handlungsbedarf.
Suchen Familien heute andere Bücher, andere Stoffe? Und was bedeutet das für die Beratung?
Was die Beratung angeht, hat sich in meinen Augen nicht viel geändert. Wir versuchen weiterhin, für alle das passende Buch zu finden und es gibt wirklich ganz großartige Kinder- und Jugendbücher, manche möchte man gar jeder und jedem direkt in die Hand drücken – auch Erwachsenen. Doch natürlich sehen auch wir die Veränderungen, etwa in den Programmen der Verlage, was beispielsweise Umfang und Gestaltung angeht, um sich an die Bedürfnisse der Zielgruppe anzupassen. Und das ist gut so, wir wollen ja vor allem die Erstlesenden genau dort abholen, wo sie stehen. Nachgefragt werden derzeit häufig spannungsgetriebene sowie fantastische Stoffe, gerne aufgelockert mit Illustrationen und/oder Comic-Elementen.
Auch wenn es beim Kinder- und Jugendbuchtag ebenfalls Angebote für ältere Kinder und Jugendliche gibt – z.B. den Lyrikworkshop in Kooperation mit Lyrix e. V. und dem Deutschlandfunk – richtet sich der Großteil des Programms an Vor- und Grundschulkinder.
Uns war und ist es wichtig, dass wir auch Veranstaltungen für ältere Kinder und Jugendliche anbieten. Allerdings haben die letzten beiden Kölner Kinder- und Jugendbuchtage gezeigt, dass die größte Gruppe, die – meist gemeinsam mit den Eltern – ins Filmhaus kommt, die der Vor- und Grundschulkinder ist.
Glaubst du, dass andere Vermittlungsformate für Kinder wichtiger werden?
Im Vordergrund soll an diesem Tag der Spaß und die Neugierde stehen. Wir glauben und hoffen, dass wir bei den Kindern und Jugendlichen durch die verschiedenen Formate – sei es durch klassische Lesungen, Theateraufführungen, Live-Comic-Zeichnen oder gezielte Workshops sowie den allgemeinen Austausch – die Lust auf Geschichten, aufs Lesen und kreativ werden weiter wecken und fördern können.
Vielen Dank für das Interview!