Literaturkalender Köln

Eine Initiative vom Literaturhaus Köln

Lade Veranstaltungen
„Tiefes Grau hing über dem Fluss, während sich das helle Zwitschern der Papageienkolonie am Brückenkopf in meine Erinnerung einprägte, vielleicht wegen dem Grau. Die Mutter mit feuerroten Haaren und ihr Kleinkind im Fahrradrücksitz hielten vor dem Papageienbaum, um sich das Spektakel anzuschauen. Die Kleine wandte das Köpfchen dahin, von wo das Zwitschern herkam und streckte den Arm aus, als wollte sie etwas fangen.
Man sah die Papageien, wie sie einzeln oder in kleinen Scharen um die Brücke hin und her flogen, scheinbar ziellos, ohne genaue Richtung, ihr Flügelschlag gleich einem Laken, das man am Fenster lüftet.

Ich dachte: Warum wartet die Zeit nicht auf mich, auf meine Erinnerung, warum könnte ich sie nicht überholen – erst erinnern, dann leben.“

In seinem neuen Prosatext Donnerstags beschreibt der Kölner Schriftsteller Peter Rosenthal seine Begegnungen, die er immer donnerstags auf seinem Weg per Fahrrad auf der anderen Seite des Flusses in Köln-Kalk hat. Er meditiert über diese Zufälle, über seine Arbeit als Arzt, aber auch über die verrinnende Zeit.

Peter Rosenthal, geboren 1960 in Arad, Rumänien, lebt seit 1973 in Köln. Er ist tätig als Arzt in Ehrenfeld. Als Autor veröffentlichte er Entlang der Venloer Straße (2003), In die Zeit fallen (2013) und 33 Gedichte (2017). Außerdem gab er Venedig ist auch nicht viel größer als Ehrenfeld (2017) heraus und war Mitautor und Mitproduzent des experimentellen Kurzfilms Tigersprung (2017) über den Ehrenfelder Radrennweltmeister Albert Richter und seinen Manager Ernst Isidor Berliner. In der parasitenpresse erschienen von ihm Ehrenfeld Alphabet (2018)Impfnovelle (2022) und ganz frisch Donnerstags.

Moderation: Adrian Kastnitz

Diesen Beitrag teilen …

Literaturhaus

Nach oben