Literaturkalender Köln

Eine Initiative vom Literaturhaus Köln

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Text und Textil haben eine gemeinsame Wurzel und die führt auf Gewebe und Netz zurück. Man spricht von Leitfäden oder davon, dass Themen miteinander verknüpft werden. Vom Flechten und vom Weben kommt die Metaphorik, mit der das Gedicht, aus alten und neuen Fäden gewoben, Zeile für Zeile entsteht. ENTREBESCAR LOS MOTZ nannte man in der mittelalterlichen Provence die poetische Tätigkeit: Das Wortflechten.

In der Lesung „ARBEIT AM STOFF“ stellt Monika Rinck neue und alte Gedichte vor. In ihrem jüngsten Lyrikband „Höllenfahrt & Entenstaat“ verknüpfte sie die gegenwärtige Verkehrspolitik mit den imaginären Räumen der Unterwelt. Die 144 beschleunigten Straßenprojekte der Bundesregierung trafen auf die Wegbeschreibungen, die uns von den altägyptischen Sargtexten des Mittleren Reiches überliefert sind. An Verkehrsknotenpunkten trifft Dante auf den ermüdeten Fernfahrer, es kommt der Seelendackel heran oder meldet sich verspätet eine herrische Ente. Monika Rinck gibt Auskunft über die „Arbeit am Stoff“ und wie sich die Gedichte organisieren, durch Schlinge, Schlaufe oder Flechte, fest zusammengeknotet, gelöst oder in viele Stränge auslaufend wie eine ausgefranste Kordel.

Gastgeber des Abends ist Jan Kath Design, ein opulenter Ort, der ideal für eine Lyrikerin ist, die sich auskennt mit der Wiederholung, Variation und dem Ornamentalen.

Monika Rinck lebt in Berlin und Köln. Seit 1998 veröffentlicht sie Gedichte, Essays und Übersetzungen in diversen Verlagen. Seitdem hat sie zudem unzählige Veranstaltungsformate für Lyrik und andere Gattungen ins Leben gerufen, mitgestaltet und viele auch wieder verworfen. Zuletzt erschien der Lyrikband „Höllenfahrt & Entenstaat“. Seit April 2023 unterrichtet sie als Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Sie erhielt unter anderem den Roswitha-Preis, den Jandl- und den Kleist-Preis und zuletzt den Literaturpreis Solothurn 2026. Im November 2024 hielt sie die Zürcher Poetikvorlesungen und im Januar 2025 hatte sie den DAAD Chair of Contemporary Poetics an der New York University inne.

Foto: (c) Silviu Guiman

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