Mit dem Ende der eigenständigen Redaktion der Kölnischen Rundschau steht die Kölner Medienlandschaft vor einem tiefgreifenden Umbruch. Thomas Linden ist freier Kulturjournalist und hat fast fünf Jahrzehnte für die Kölnische Rundschau gearbeitet – mit ihm haben wir über die Auswirkungen auf den Lokaljournalismus und die Literaturberichterstattung in Köln gesprochen.

 

Wie haben Sie vom Aus für die Kölnische Rundschau erfahren und was sind die Folgen für die lokale (Kultur-)Berichterstattung?

Durch die Mail eines Redakteurs habe ich am 26.02.2026 vom Ende der Kölnischen Rundschau erfahren. Nach 48 Jahren Mitarbeit erhielt ich dann vor zwei Wochen vom Geschäftsführer einen standardisierten Brief mit der Kündigung.

Die Kölnische Rundschau hat eingehend, umfangreich und aktuell (deshalb musste oft nachts noch geschrieben werden) über die Kultur und die freie Szene in Köln mit ihren Theatern, den freien Gruppen, dem Tanz, der Musik und den Galerien berichtet. Den Menschen, die sich dort engagieren, geht nun ein Teil ihrer Sichtbarkeit verloren und es wird jene kritische und würdigende Reflexion ihrer Arbeit verloren gehen, die die Kölnische Rundschau lieferte.

Wie schätzen Sie generell die Berichterstattung zur Kölner Literaturszene ein?

Die Kölner Literaturszene ist in der KR tatsächlich immer (auch schon bevor die lit.Cologne existierte) sehr aufmerksam wahrgenommen worden. Das schließt sowohl die Buchhandlungen als auch das Literaturhaus, die lit.Cologne, die Veranstaltungen zur Kinderliteratur, als auch das Geschehen um die Performances und Festivals ein. Nicht zu vergessen sind die Porträts von Autor:innen und das Angebot an aktuellen Rezensionen.

Der Lokaljournalismus steht weltweit unter Druck, das hat nicht zuletzt eine Studie des European Centre for Press and Media Freedom 2025 gezeigt. Welche Perspektive sehen Sie für den Kölner Lokaljournalismus und vor allem für die Kulturberichterstattung?

Die Bereitschaft einen Text auf analogen Medien, also auf Papier, zu lesen, lässt rapide nach. Das geschieht viel schneller, als bisher wahrgenommen wird, und das Netz, bzw. die digitalen Medien können diese Situation nicht kompensieren. Mein Eindruck ist, dass zwar noch ein Interesse an dem vorhanden ist, was generell im lokalen Umfeld passiert, aber das Interesse an Kulturberichterstattung lässt deutlich nach.

Die Reflexion über Kunst und Kultur zieht sich in Nischen des gesellschaftlichen Diskurses zurück. An ihre Stelle treten Tipps für Kulturtermine. Die kompetente Reflexion geht verloren, und sie ist nicht mit Meinungsäußerungen im Netz zu verwechseln.

Kulturberichterstattung sollte einen Mehrwert über die bloße Information hinaus enthalten. Im besten Fall stellt sie für die Leser:innen einen Erkenntnisgewinn dar. Die Lesekultur schwindet und das ist von gesellschaftlicher Bedeutung, weil sie das Fundament der Demokratie darstellt. Dazu muss man sich nur ansehen, wer welche Parteien bei den letzten Landtagswahlen gewählt hat.

Vielen Dank für das Interview!